Axel Oberhage und die Lautsprecher:
ein Rückblick und eine Art Selbstbiographie.

Aktualisiertes
Foto: Weil wir seit 2008 nicht mehr am See, sondern auf dem Lande
(im Pfaffenwinkel)
zuhause sind, passt der Tracktor besser als das Ruderboot.
Die
Idee, mich mit Lautsprechern zu beschäftigen, kam während der Studienzeit.
Musik wurde bis zum
Abwinken gehört, aber für vernünftige Lautsprecher gab es kein Budget.
Die ersten Boxen wurden nach
technischen Daten aus dem Katalog gekauft. Die Holzgitterkästen spotteten
akustisch gesehen jeder
Beschreibung. Im Innern fand sich ein ovaler Billigbass, so was
ähnliches wie ein Hochtöner, ein Kondensator
und etwas Glaswolle.
Das war anno 1969. Jahre später, in 2004 habe ich einen 3-Wege
Lautsprecher aus einer Kompaktanlage von SONY
aufgemacht. Das Gehäuse war leer, der Hochtöner war eine Attrappe,
der Mitteltöner ein lausiger Hochtöner und
die Frequenzweiche bestand aus einem winzigen Kondensator. 35 Jahre
Fortschritt. Einziger Unterschied, die
Holzkisten wurden kleiner und man hat auch noch am Holz gespart.
In
der Fachliteratur der frühen 70er Jahre war wenig Hilfreiches zu finden.
Learning by doing war angesagt. Den
Mitten- und Hochtonbereich konnte man damals schon ganz gut in den
Griff bekommen. Als jede Mark umgedreht
werden musste, versuchte ich es mit Heco und Isophon. In der letzten
Entwicklungsstufe - vor der englischen Epoche -
hatte ich meine ersten Scan Speak 21 W mit Alnico Magnet für
sündhaft viel Geld eingekauft. DM 169,- war zu der Zeit
viel Geld. Muss aber zugeben, es war der erste Eigenbau-Lautsprecher
der wirklich gut war.
Nahezu perfekt wurde es,
als die ersten englischen Bausätze von KEF angeboten wurden: der legendäre
Ovalbaß
B139 mit seiner Membran aus Styropor machte alle weichen Papierbässe platt.
Mitteltöner mit Kunststoffmembranen
brachten gut klingende Mitten. In englischen Zeitschriften konnte man interessante
Bauvorschläge nachlesen. In
Deutschland wurde die Selbstbauszene aktiv. Anfang der 80er Jahre habe ich mit
meiner Firma "a+o electronics",
vor allem die englisch orientierten Lautsprecher kultiviert.
In 1983 konnte ich die ersten
FOCAL- Kits vom Festival du Son mitbringen und veröffentlichte einen Artikel
über die
kleine FOCAL 250DB, die erste Box mit Doppelschwingspulen-Bass. Auch wenn dieser
Bausatz ein beachtlicher
Erfolg war, hatte ich wenig Lust in das französische Bausatzprogramm einzusteigen.
Die generelle Linie passte nicht
zu meinem Musik-Verständnis, ich blieb auf der englischen Schiene.
Irgendwann hörte ich
dann eine IMF Transmission Line von John Wright. Das war das Schlüsselerlebnis!
So einen
Bass hatte ich noch nie gehört, aber immer schon erträumt. Die
TLS 80, damals so um die 4 Tausend Mark teuer,
habe ich sofort gekauft, zerlegt, vermessen und einen Bauplan gezeichnet.
Die Frequenzweichen wurden zerlegt
und ausgemessen. FALCON ACOUSTICS in England, hat die Weichen dann für
uns produziert. Die alten Chassis,
die IMF ursprünglich verwendet hat, die KEF B 139, B 110
A und die CELESTION Hochtöner, hatte ich bereits im
Vertriebs-Programm. Ab diesem Zeitpunkt haben wir IMF-Transmission Line Kopien
als Bausatz angeboten und
massenhaft in Deutschland verkauft. Der Vertrieb für die Fertigboxen in
Deutschland hat den Vertrieb eingestellt. Es
wurden fast nur noch Bausätze gekauft und wir wurden der neue Vertrieb
von IMF.
Ein
paar Jahre später, IMF war schon vom Markt verschwunden, hat sich
John Wright, als Gründer der Marke
TDL Electronics, bei uns gemeldet und gefragt, ob wir den Vertrieb
wieder übernehmen wollten. Das
Ergebnis: zehn
Jahre lang hatten wir den TDL-Vertrieb in Deutschland. Zum großen
Bedauern vieler TL-Fans auf der ganzen Welt, ist
John Wright am 1.Juni 1999 verstorben.´Wir
waren lange Jahre freundschaftlich miteinander verbunden. Ich konnte
viele
seiner Erfahrungen übernehmen und habe eine Menge von ihm gelernt.
John's Ideen habe ich bis heute weitergeführt
und werde wohl auch in Zukunft die Transmission-Line Technik hegen
und pflegen.
Anfang
der 90er Jahre haben
wir begonnen Lautsprecher auch selbst zu entwickeln und haben auch
die TDL Fertigboxen
mit John Wright aktualisiert und immer wieder verbessert. Beispiel:
die MC (MONITOR COMPACT), die Selbstbau-Version
der TDL MONITOR).
Die
TDL MONITOR und TDL RSTL haben in der internationalen HiFi-Presse
tolle Kritiken eingefahren. Auch in Deutschland
bei der Audio und der Stereoplay. Die MC hat bei Bausatztests
in der Stereoplay, Klang und Ton, Elektor die
tollsten
Beurteilungen bekommen. Wir lagen Punktemäßig vor T+A und
Dynaudio. Es
wurden weit über tausend Paar MC verkauft.
Und sogar heute gibt es Kunden, die immer noch davon begeistert sind.
Trotzdem
haben wir beharrlich weiter optimiert. Ab 1992/93 folgte ein radikaler
Neuanfang mit Verbesserungen im Mitten-
bereich. Mit neuen, härteren Materialien hatte die weichzeichnende
Polypropylene-Phase ein Ende. Präzision,
statt
sanft-weichem Klangbild war angesagt. Es folgte die ASCOT. In 1996
gelang es uns mit SCAN SPEAK einen weiteren "Quantensprung" mit Papier-Karbon-Membranen.
Der für A.O.S. entwickelte 18W16545K hatte eine steife, resonanzfreie
Membran, gross genug für einen ausgewogenen Grundtonbereich, leicht
genug für ein perfektes Impulsverhalten.
Im
Jahr 2004 haben wir uns vom letzten Überbleibsel von TDL getrennt:
der Ovalbass wurde durch einen 10" Bass von
ATC ersetzt und im Hochtonbereich finden sich der Ringradiator R 2904/7000
oder der Beryllium-Hochtöner D 3004/6640.
Einen Riesenschritt vorwärts hat die MK II Version mit einer
6dB-Weiche im Mitten-, Hochtonbereich gebracht. Mehr geht
wohl nicht.
Geht schon: Aber dieses Modell heißt dann MONITOR 50 TL BE und
hat im Mittenbereich die weltberühmte Kalotte aus
dem Hause ATC (siehe ATC SCM 40, 50, 100 u.v.m.). Einzelheiten dazu
finden Sie auf unserer Homepage ...
Wessobrunn,
im Oktober 2011